Der Zusammebruch der US amerikanischen Washington Mutual Bausparkasse markiert den größten Bankenzusammenbruch der Vereinigten Staaten - und trotz des anvisierten staatlichen 700-Milliarden Rettungsprogramms den möglichen Beginn der Weltwirtschaftskrise. Auch die Hinweise des deutschen Finanzministers Peer Steinbrück (SPD) auf härtere Zeiten hierzulande kommen nicht von ungefähr, nur: die bislang von Politik und Medien unisono als Aufschwung titulierte Phase der letzten Jahre erweist sich jetzt als reine Luftblase - und damit als Problem für die Stabilität im Lande. Denn Rücklagen für die bevorstehenden Zeiten gibt es kaum, einzig Großkonzerne füllten ihre Kassen und Manager ihre Gehälter.von Vlad GeorgescuDie Zeichen der wirtschaftlichen Erosion sind unverkennbar, und ein globaler Kollaps der Finanzsysteme wahrscheinlich. Denn entgegen der Beteuerungen von Politik und Bankenwelt sprechen ein paar Hardfacts für sich – und wer die Nachrichten dieser Tage zu deuten weiß erkennt, dass die Implosion kaum abzuwenden ist.
Beispiel USA. Rund 45 Milliarden US-Dollar stehen dort der Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) für die Absicherung sämtlicher Spareinlagen der Amerikaner zur Verfügung, wie das US Nachrichtenmagazin TIME vorrechnete, nur: Kollabieren demnächst weitere Finanzinstitute, wären bis zu sagenhaften 4,5 Billionen Dollar nötig.
Cash, das freilich keine Behörde, geschweige denn Staatshaushalt verkraften kann – oder hat. Dass auch die Rettung von Fannie Mae und Freddie Mac mit den immer wieder ins Spiel gebrachten 200 Milliarden US Dollar abgetan sei, muss ebenfalls nicht stimmen. Denn die Kalkulationen beruhen auf einer mittlerweile wackeligen Annahme: Nur wenn sich die Immobilienkrise abschwächt, die Preise also wieder anziehen, käme der Staat so billig davon. Implodieren die Hauspreise aber weiter, reichen die anvisierten 200 Milliarden Dollar zur Rettung beider Institute nicht aus. Im Gegenteil. Die staatliche Übernahme dürfte endgültig zum Desaster mutieren.
Zeichen der Erosion und internen Panik gibt es auch hierzulande mehr als genug. Ob IKB, WestLB oder jetzt die ominöse Überweisung an die bankrotte Lehman Brothers, viele Bankendeals und -handlungen erwecken den Eindruck absoluter Hilfs- und Ahnungslosigkeit. Dass beispielsweise 300 Millionen Euro auf Grund einer „technischen Panne“ die Förderbank KfW verließen, um in den Lehman-Sumpf zu versickern, mögen jene Politiker glauben, die im Aufsichtsrat der KfW sitzen. Steuerzahler, deren Geld nun diese Summe aufbringen muss, tun es nicht.
Selbst der Meister der deutschen Banken, Josef Ackermann, glänzt durch Fehldiagnosen. Die Bankenkrise sei demnächst zu Ende, verkündete der Chef des Großen Geldes – wohl war, wenn es keine Banken mehr gibt, die kriseln können: Nur Tage nach seiner Prognose meldete Lehman Brothers Konkurs an.
Vergütungen: Zwei Millionen für M-DAX Firmenchefs - im Durchschnitt
Fehlentscheidungen in den USA? Weltwirtschaft als globales Casino? So what? Die durchschnittliche Vergütung für die Vorstandsvorsitzenden der 30 größten im DAX notierten Aktiengesellschaften ist allein im Jahr 2006 deutlich gestiegen - auf 5,1 Millionen Euro von 3,9 Millionen Euro 2005. Durchschnittlich zwei Millionen Euro erhielten 2006 die Vorstandschefs der mittelgroßen Unternehmen, die im M-DAX notiert sind. Das zeigte eine Auswertung der Geschäftsberichte der DAX- und M-DAX-Unternehmen, die Matthias Müller, Experte für Corporate Governance in der Hans-Böckler-Stiftung, vorlegte.
Auf den Platz des Spitzenverdieners unter den DAX-Vorstandsvorsitzenden war damals Harry Roels vorgerückt. Der Chef der RWE AG erhielt rund 16,6 Millionen Euro (Vorjahr: 11,8 Millionen). Die bis dahin mit 11,9 Millionen Euro führende Deutsche Bank AG lag mit 13,2 Millionen Euro auf Platz zwei. Die niedrigsten Vergütungen für die Vorstandschefs zahlten dem Papier zufolge unter den DAX-Unternehmen Infineon mit 1,7 Millionen und Altana mit 2,5 Millionen Euro. Unter den Unternehmen im M-DAX war die Bandbreite bei der Vergütung der Vorstandsvorsitzenden sogar noch deutlich größer: Während bei der Deutschen Euroshop AG 491.000 Euro gezahlt wurden, bewegte sich die Puma AG nach Müllers Analyse mit 10,7 Millionen Euro im oberen DAX-Bereich.
Bei vielen nicht-börsennotierten Gesellschaften seien die Vorstands- oder Geschäftsführungsbezüge weiterhin ein Geheimnis, kritisiert der Experte. "Solche Gesellschaften machten häufig nicht einmal zusammengefasste Angaben zu den Gesamtbezügen des Gremiums. Hier sollte der Gesetzgeber nachbessern", so Müller.
An eine Wende, gar Lösung des aktuellen Zusammenbruchs zu glauben, entbehrt demnach jedweder Logik. Das Finanzsystem in seiner jetzigen Form ist am Ende – der Preis dafür wird eine neue Weltwirtschaftskrise sein.
Quelle: LifeGen
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